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> Hirschbilder <
Im Werk der 1960 in Straßburg geborenen Künstlerin, nimmt
die Serie > Hirschweihe < eine Sonderstellung ein. Es
handelt sich um sechs Arbeiten in Mischtechnik auf Papier, alle im
Format 70 x 100 cm, in denen das Motiv des Hirsches im Zentrum steht.
Schwarzes Pigment, Goldpigmente, Asche und Erde aus Marokko und der
Provence sind die Malmaterialen.
> Hirschweihe 2 <
Der Blickpunkt des Bildes ist der rotbraune Körper eines Hirsches,
der in seinem transparenten Malduktus das satte Schwarz des Bildgrundes,
das die ganze rechte Bildhälfte hinterfängt, durchschimmern
lässt. Über ihm erhebt sich eine breite kreuzartige Form
aus körniger Asche in ein goldenes Viereck hinführend.
Golden ist auch ein breiter Strich, der Kreuz- und Rahmenform links
begrenzt. Schwarze, weiße und braune vertikale Streifen, die
die ganze Länge des Blattes bemessen, gliedern die linke Bildhälfte.
Aus dem Zentrum heraus benetzen das Bild, wie ein Geäder, die
braunen Fließspuren des Geweihs: senkrecht über dem Hirschkopf
erhebt sich der stärkste Ast; andere Verzweigungen ragen diagonal
auf und legen sich fadenartig in die Waagerechte. Eine Serie von Kratzspuren
vergittern die Streifen links oben und bilden formal ein Gegengewicht
zum braunen Hirschkörper. Der Hirsch scheint wie in einer Bewegung
innezuhalten, für einen Moment stillzustehen, abzuwarten. Seine
ganze physische Präsenz verdichtet sich im Kopfbereich; er schaut
hinein ins Bild, weit über den linken Blattrand hinaus. Sehend,
hörend, riechend nimmt er umfänglich seine Umgebung wahr.
Sein fühlerartiges Geweih scheint dabei Verlängerung seiner
Sinnesorgane zu sein und verbindet, verwebt ihn auf das Vielfältigste
mit seiner Umwelt. Wie an einer Schwelle hält das Tier hier vor
dem zentralen weißen Streifen inne, in den sich seine Schnauze
schattenhaft eingräbt.
Das warme, erdfarbene, auf weißem Grund hell strahlende Rotbraun
ist Ziel seiner Bewegung, ist das- zunächst farblich- ihm Entsprechende
und ist, wie die Öffnung über die Blattränder hinaus
zeigt, Teil eines viel Größeren, für uns nicht sichtbaren
Bereichs. Im scharfen Kontrast zu der amorphen Weichheit des Hirschkörpers
zeichnet sich das äscherne Kreuz und die goldene Rahmenform ab.
An die Urform eines Altars möchte man denken, an eine primitive,
uralte Opferstätte.
Der Hirsch, so könnte man zusammenfassen, ist hier Träger
höherer Wahrnehmungsfähigkeiten, ist selbst Teil einer größeren
Lebendigkeit; darauf weisen die Farben hin. Zudem ist er in seiner
körperlichen Beschaffenheit - sein Körper ist nicht nur
transparent; er birgt einen Innenraum - Gefäß für
anderes, etwa besondere Seelenqualitäten.
Ein Wesen an der Schwelle: vor dem Sinnbild des archaischen Altares,
der mit dem Rumpf des Tieres verbunden ist, richtet er sich - seinen
Körper, seine Wahrnehmung, seine Bewegung - hin zum Bereich der
intensivsten, fast plastischen Farbigkeit. Sie mag für neues,
junges Leben stehen, für Zukünftiges.
Wegen seines alljährlich sich erneuernden baumartigen Geweihes
galt der Hirsch in frühen Kulturen als Symbol des sich unaufhörlich
verjüngenden Lebens, des Kreislaufs der Natur, und der Neugeburt.
In der altkeltischen Mythenwelt gelten Hirsche als Boten zwischen
der Welt der Götter und jener der Menschen. Im Christentum ist
er in Anlehnung an Psalm 42/43, 2 ein Bild des nach Gott dürstenden
Menschen. Häufig findet man in diesem Sinne Darstellungen des
aus dem Brunnen des Lebens trinkenden Hirsches ( z.B. auf dem Mausoleum
in Galla), der so ein Gegenbild zur Schlange des Paradieses ist. Mitunter
findet man ihn auf Darstellungen Adam und Evas, so z.B. auf dem Kupferstich
Albrecht Dürers von 1504. Hier verweist er im christlichen
Sinn auf eine Überwindung des Sündenfalls.
Als " König des Waldes" genießt der Träger
des Geweihs schon immer besonderes Ansehen. Interessant ist in diesem
Zusammenhang, dass bis heute nicht geklärt ist, warum Hirsche
die große physiologische und stoffliche Belastung auf sich nehmen
und ihr Geweih Jahr für Jahr im Herbst abwerfen, um es im Lauf
des Frühjahrs unter der Bildung von mehreren Pfund Kalziumsalzen,
die sie aus ihrer Gras- und Blattnahrung aufnehmen müssen, neu
aufzubauen.
In unserem Jahrhundert hat sich ein Künstler immer wieder und
sehr gründlich mit dem Leben des Hirsches befasst: Joseph
Beuys. Schon in den Titeln früher Zeichnungen schlägt
sich die Beschäftigung mit dem Tier nieder: "Hirschkuh"
(1952) "Hirsch"(1955), "Hirsch und Mond"(1954),
"Toter Hirsch auf Urschlitten"(1955), "Roter Hirsch"(1956).
Schließlich als raumgreifende Installation "Blitzschlag
mit Lichtschein auf Hirsch"(1958-1985, auch auf der Documenta
8, 1987.)
Die Bilder von Laurence Rogez lassen immer wieder an Beuys
denken, man kommt in der Beschäftigung mit ihnen an ihm nicht
vorbei. Da sind die Hirschköpfe und - Körper, die Geweihe,
die Farben, besonders das Erdbraun und Beuyssche Kreuz, Braunkreuz.
In motivlicher Hinsicht ist Laurence Rogez von Beuys fasziniert und
inspiriert, einige seiner Themen - z.B. Tod, Geburt, Schwelle zum
Unsichtbaren - finden sich bei ihr wieder.
In künstlerischer Hinsicht aber distanziert sie sich deutlich
von ihm, da beschreitet sie ganz andere Wege: sie malt schnell, mit
großzügiger Geste und grundsätzlich von der Farbe
ausgehend, von Material und Stofflichkeit. Im Prozess der Entstehung
entwickeln sich Formen, Strukturen, mitunter auch Motive. Der "Zufall"
im Umgang mit den Materialien spielt da eine entscheidende Rolle.
Laurence Rogez spricht von "geführter Spontaneität."
Farbe und Material eignet in ihrem vorgehen große Bedeutung,
So sind in der > Hirschweihe < -Serie verwandten Materialien
anspruchlose, raue, der Natur entnommene, nicht etwa glänzende
Ölfarbe. Mit den Farben verbindet sie im Einzelnen auch Seelenqualitäten,
mit dem Schwarz Verzicht, mit dem Braun Demut, mit dem Grau der Asche
Opferbereitschaft und Vergänglichkeit, Gold versteht sie als
"schwer gewordenes Licht", Weiß schlicht als Licht.
Laurence Rogez bekennt sich zum Schwarz, zu einer "Kunst ohne
Schmuck, ohne Inhalt, ohne Romantik". Sie bezieht sich hier zum
einen auf chinesische Kalligraphie, zum anderen auf den Maler des
Schwarz im 20. Jahrhundert: Ad Reinhard. Auch Künstler
wie Paul Klee und Henri Matisse äußern sich
über das Schwarz als eine durchaus lebendige Farbe. Für
Max Beckmann war es der unendliche Raum der Götter.
In unserem Bild ist das Schwarz auf einer Ebene Bild des Totes, des
Leblosen. Wie aber das Schwarz Leben erhält, so ist der Tod hier
auch nicht als Ende, sondern als die andere Seite des Lebens aufzufassen,
als die andere Seite eines geistigen Prinzips.
> Hirschweihe 5 <
Tauchen wir noch einmal ein in die Qualität der braunen Farbe
und die, wie ich sie nennen möchte, radikalste Version des >
Hirschweihe < - Themas.
Großzügig und schnell ist die Farbe hier aufgetragen, der
Hirsch so flächig, ja hart in seinen Konturen wie auf keinem
anderen der Bilder. An der Mittelachse orientiert ist diese Komposition
extremer in der Zweiteilung: Leuchtendes, mit senkrechten Strichen
aufgetragenes Hellbraun füllt die rechte Bildhälfte annährend
aus und öffnet das Blatt nach rechts und unten. Gehalten wird
die Farbe wie an einer Achse von einem rotbraunen Farbstreifen, den
die Künstlerin in vielen horizontalen Fließspuren zu seiner
Umgebung geöffnet hat. Er ragt über den hellbraunen Block
hinaus und trägt an seinem oberen Ende ein goldenes Kreuz: Kristallisationspunkt,
Sinnstiftung des großen Farbfeldes.
Der Körper des Hirsches ist mit wenigen großzügigen
Strichen des Rotbraun grob bezeichnet. Er scheint zu liegen und doch
ist er in äußerst zielstrebiger Bewegung: die Fließspuren
hinten vermitteln den Eindruck als zöge er etwas, und sein Kopf
ist in harter Kontur und dem scharf gezeichneten Auge ein Bild der
Zielstrebigkeit, alles an ihm ist nach vorne orientiert, nur sein
Geweih setzt da ein vertikales Zeichen. Es ragt senkrecht nach oben
auf mit fühlerartigen Verzweigungen, die das Bild einer Antenne
unmittelbar evozieren. Senden und Empfangen: auch ein Bild für
die Tätigkeit der Sinnesorgane. Verwoben ist das Tier hier durch
sein Geweih, jedoch nicht nur mit seiner näheren Umwelt, kabelartig
spannen sich einige Linien quer über das Blatt und münden
in die große braune Fläche in unmittelbarer Nähe des
Goldkreuzes.
Seiner entschiedenen Ausrichtung und Konzentration nach außen
seht ein stilles, fein ausgeformtes Innenleben gegenüber: auf
den schwarzen Spalt, dem Hohl- und Innenraum des braunen Körpers,
hat die Künstlerin eine kleine, fein ausgestaltete, liegende
Figur in Gold gemalt, von deren Kopf eine Verbindungslinie zum Auge
des Hirsches führt. Das Auge - das Sinnesorgan der Erkenntnis;
es mag hier stellvertretend für alle Sinnesorgane des Hirsches
stehen - ist also nicht nur in einer Wechselwirkung mit der Außenwelt,
mit dem Wesen im Innern besteht eine feine, im Gold veredelte, direkte
Verbindung.
Golden ist auch die größere Längung unterhalb des
Hirsches (die goldenen Wesen lassen an Bilder des Italieners Enzo
Cucchi denken), deren Fließspur in Bezug steht zu der des
Goldkreuzes. Weniger eindeutig als Figur zu erkennen, mutet doch auch
sie wesenhaft an und sie ist der Boden, der Grund, auf dem der Hirsch
ruht, existiert. Zweifach goldgeweiht ist das Tier also und auch in
sofern ist es das radikalste Bild der Serie: weil hier im Bild ausformuliert
wird, was in anderen Versionen Geheimnis bleibt: die Weihe des Hirsches.
Auszug aus einem Text von Martina Siebeck, Kunsthistorikerin, Stuttgart
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ZUM THEMA >LABYRINTH<
Hier der rote Faden...
Seit ca. 14 Jahren führen wir, mein Mann und ich, Reisegruppen
in die Welt der Kathedrale von Chartres und insbesondere hat
mich dort das Begehen des Labyrinthes jedes Jahr neu fasziniert. Jedes
Mal ein ganz neues Erlebnis!
Was geschieht in diesen 11 konzentrischen Ringen, wo man immer wieder
pendelt, von links nach rechts, von rechts nach links, 28 x umkehren
muss und das Zentrum nie so weit entfernt ist als da, wo man es anzufassen
glaubt...?
Dieser Weg , auch " Reise nach Jerusalem" genannt, ist auch
eine art
- Pilgerweg: Bußweg, Heilsweg, Kreuzweg - das Kreuz ordnet
das Lebenschaos -
- Läuterungsweg: durch die Ausrichtung auf das Zentrum
- Initiationsweg: durch das Umkehren der Sinne auf das Wesentliche
Motiv des Neugeboren-Werdens
Im Zentrum angekommen befindet man sich inmitten einer 6-blättrigen
Rose.
Mit dem "Prinzip Umweg" lernen wir die Ausdauer, durch alle
Umkreise sind wir einen Individuationsweg gegangen- vom Dualismus
des Weges (links-rechts) zur Mitte (Einheit, Identität). In der
Mitte wird die Zeit zum Raum, diese Ruhe lebt von den vorausgegangenen
Bewegungen, sie enthält sie und erhöht sie in einen neuen
Bewußtsseinsbereich : Einswerdung - Kon-zentration - Regeneration.
Deswegen der Titel der Arbeiten "Labor intus" = arbeiten
hinein.
Es gibt auch architecktonische Entsprechungen zwischen der Westrose
und dem Labyrinth:
1. beim "Kippen" der Westfassade würde der Westrose
genau dem Labyrinth decken ( Diameter12,45m)
2. am 15. August lässt der Sonnenschein das Bild der Maria aus
dem mittleren Fenster (unterhalb der Rose) auf die Mitte
des Labyrinths fallen.
Die Rose in der Mitte bedeutet für mich so etwas wie ein "Maria-Werden"
der Seele.
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LAURENCE ROGEZ
> homo viator <
der Mensch auf dem Weg zur Mitte
Einführungsrede von Christophe Rogez
Ausstellungen in der Lukaskirche und im Rathaus Gerlingen
Vom 20.Januar - 3.März 2002
1. Begrüßung
Liebe Kunstfreunde, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen
zur Eröffnung der Ausstellung von L. Rogez. Ganz besonders begrüße
ich die Gerlinger Kunstfreunde, den Gastgeber Herrn Bürgermeister
Brenner. Der Stadt Gerlingen einen herzlichen Dank für die Möglichkeit
hier in diesen schönen Räumen und in der Lukaskirche die
Ausstellung zeigen zu dürfen mit dem Titel :> Homo Viator
<, der Mensch auf dem Weg zur Mitte.
Der erste Teil der Ausstellung wurde letzten Sonntag in der Lukaskirche
eröffnet. Dort hatte Herr Pfarrer Boy einige Arbeiten auf sehr
einfühlsame und eindrückliche Weise als Bild-Meditation
mit in den Gottesdienst integriert. Auch ihm ganz lieben Dank!
2. Zur Person
L. Rogez ist im Straßburg aufgewachsen. Ihre Schule befand sich
in unmittelbarer Nähe des Münsters, sie erinnert sich wie
ihr Schulweg durch das Kirchenschiff führte. Eindrücke aus
Architektur, Skulptur, Fresken- und Glasmalerei waren somit Teil ihres
schulischen Alltags.
Sie entschloss sich zum Kunst- und Malereistudium zunächst in
Straßburg, dann in Basel und Bonn, obwohl, wie sie neulich sagte,
eher die Architektur und die Philosophie sie anzogen. Antoni Tapies,
ein zeitgenössischer Maler aus Barcelona, sagt . " Wer das
wahre Wissen besitzt, spricht nicht mehr. Wenn ich Philosoph wäre,
würde ich nicht malen, ich würde gar nichts machen. Das
wäre das Schweigen des Zen. Aber man sucht ja das Licht, ich
habe es noch nicht gefunden und deshalb male ich."
Vielleicht ist es die Bearbeitung und Verwandlung des toten Stoffes,
der dichten Materie, die L. Rogez in der Architektur fasziniert. Auch
das Empfinden, dass der Mensch sich selber erbaut durch die Architektur.
Die Ursprünge der Baukunst liegen ja in allen Kulturkreisen im
sakralen Bereich. Die Philosophie, durch das Licht des Denkens, des
Erkennens baut ihrerseits Brücken zwischen den Lebensbereichen,
die stets auseinanderzufallen drohen, dem Ich und der Welt.
Das Erleben und Erleiden dieser Gegensätze, die erwachende Suche
nach Vermittlung, Verbindung, Durchdringung führen L. Rogez auch
zur Dichtung. Zu ständigen Begleitern werden ihr jene Dichter,
die um ein Wort von R.M. Rilke zu gebrauchen, die nüchterne
Tatsachenwelt in " Weltinnenraum" verwandeln.
3. Werk- Entwicklung
Wer das Werk von L. Rogez kennt, kann verfolgen wie die Suche nach
dem Licht, das den Stoff transzendiert auf allen Ebenen des Daseins
von Welt und Mensch, zu einer zentralen künstlerischen Herausforderung
wird.
Ganz konsequent mit beinahe wissenschaftlicher Akribie und strenger
Arbeitsdisziplin sucht sie nach den geeigneten künstlerischen
Mitteln.
Dies beginnt damit, dass sie ihre Farbe selber herstellt, um möglichst
intim an ihrem Entstehungsprozess teilzuhaben. Dann trägt sie
die Stofflichkeit mit in das Bild hinein. Ob es selbst gesammelte,
eisenoxyd-getönte Erde ist, Fluss- oder Meersand, Holzaschen
und verschiedene Beizen, darunter die Nussschalenbeize für den
warmen Braunton, ob Halbedelsteinpulver des Lapis lazuli bis zum karätigen
Blattgold... die Stoffe werden in den Malprozess mitaufgenommen und
sehr differenziert bearbeitet, als wässrige Fließspuren
durch gezieltes Bewegen und Drehen der Leinwand, als Ritzungen oder
Schichtungen , als Collage.
Entscheidend dabei ist die spielerische Konzentration, die geführte
Hingabe, wobei ihr die asiatischen Meister Vorbild sind.
Arbeitsmethodisch kommt hinzu, dass L. Rogez seit langem thematisch
vorgeht. Ganze Bilder-Zyklen entstehen, die ein Kernmotiv entfalten,
umkreisen und verdichten. Als Beispiele seien erwähnt :
- die Reihe > 7 Bäume < die die kosmische Planeten-Signatur
in den Baumgebärden künstlerisch interpretiert.
- In dem Zyklus > Hirsch-Weihe < greift die Künstlerin
das mythologische Bild des Hirschen auf, dessen Geweih wie Antennen
zwischen den Welten vermittelt.
- Ein weiteres Thema entfaltet sich in der Reihe > In Limine
< ,> an der Schwelle < oder > Mors Ultima Ratio <
, Tod als letzte Vernunft.
- In > Lys et Calice < , Lilie und Kelch steht die Blüte
in Kreuzform im Licht zwischen Himmel und Erde, auch da findet
die große Alchemie von Licht und Stoff statt, die im Menschen
sich fortsetzend zur Königslilie wird. Im Mittelalter sprach
man vom Königsweg, als der inneren Bestimmung des Menschen.
Auszüge aus diesen umfassenden Zyklen sind
chronologisch im Hause von unten nach oben zu sehen und in den Mappen
ausführlich dokumentiert.
1999 unternahm die Künstlerin das außergewöhnliche
Projekt
>365 ENGEL <,
das einigen Anwesenden sicher bekannt ist. Auf das Jahr 2000 zuschreitend,
malte sie täglich ein Bild, eine art Wächter des Tages.
In der Gesamtausstellung dieses aus inneren Bildern konstituierten
Jahres-Kalenders erhielt die taktierte, gleichförmige Zeit unserer
Uhren Ihre Innenseite zurück.
Durch die Partizipation aller Sinne erblühte der Bildreichtum
jedes einzelnen Tages und schloss sich in einen großen Jahres-Gesamtbildorganismus.
Über dieses Projekt und seine Weiterführung in Form von
Auftragsbildern können Sie ebenfalls in den Bildmappen etwas
erfahren, es gibt auch dazu ein Faltblatt zum mitnehmen.
4. Labyrinth Wie selbstverständlich steht seit zwei Jahren
das Ur-Bild, das Ur-Symbol des Labyrinthes im Zentrum des Schaffens
von L. Rogez, fasst es doch alle früheren Themen wie zu einer
höheren Einheit zusammen : der Mensch zwischen den Welten auf
dem Weg zur Mitte.
Ganz allgemein scheint auch unsere Zeit das Labyrinth - Bild heraufzubeschwören,
man kann von einer Labyrinth-Renaissance sprechen.
Das uralte Bild, das alle Kulturkreise durchzieht bis in vorgeschichtliche
Zeiten, als Felsritzungen in Grabanlagen zum Beispiel, taucht es auf
unseren Marktplätzen wieder auf. In Kalifornien hat man es im
Eingangsbereich einer Klinik angelegt, als Hilfe für den Patienten
vor der Operation. Auch bei der Resozialisierung von Strafgefangenen,
in der Kinesiologie wird es angewandt. Logopädische Labyrinthspiele,
Videogames in denen der Held sich durchs Labyrinth kämpft, großangelegte
Maislabyrinthe... in vielen Bereichen taucht das Bild auf.
( Nur vor dem Rathaus Gerlingen sah ich es noch nicht ! ) Was kennzeichnet
ein Labyrinth?
Ein Labyrinth ist ein abgegrenzter Raum mit in der Regel einem einzigen
Eingang, einem einzigen Weg der zum Zentrum führt. Das Besondere
im Unterschied zur Spirale ist, dass das Labyrinth auf engstem Raum
den längstmöglichen Weg beschreibt. Als Beispiel : das gotische
Labyrinth in der Kathedrale von Chartres hat etwa 12,4 Meter
Durchmesser, die Länge des Weges beträgt aber über
260 Meter. Dabei finden auf dem Weg unzählige Umkehrungen, Umwendungen
statt. Der Weg verläuft aber ohne Sackgassen, er umkreist im
rhythmischen sich-Annähern und sich Entfernen die Mitte, die
bei genügender Ausdauer sicher erreicht wird. Das Labyrinth ist
also kein Irrgarten.
Wir sind aufgefordert Labyrinth und Irrgarten, die im Sprachgebrauch
verwechselt werden, im Leben zu unterscheiden. Das Internet z.b.,
Irrgarten in dem man abstürzt oder Labyrinth in dem man sich
findet?
5. > HOMO VIATOR < der Mensch auf dem Weg,
Am 11. 09 wurde uns erneut bewusst, dass wir uns als Menschheits-Ganzes
auf dem Weg befinden. Das Labyrinth stellt vieles in Frage was Grundbestandteil
unserer modernen Industriegesellschaften geworden ist, vor allem die
fortreißende Beschleunigung in allen Lebensbereichen, das lineare
Bewusstsein, das auf dem kürzesten und schnellsten Weg zum Ziel
eilt, sowie die grenzenlose Machbarkeit. In Kommunikation, Konsum
und Leistung bis hin zum Sport waren dies bislang Garanten des Erfolges.
Ein chinesisches Sprichwort heißt :
" Hast du es eilig, so gehe einen Umweg"
Die Entdeckung der Langsamkeit, die Geduld, die Neugierde, die Beweglichkeit
und Selbstbeherrschung sind die Geschenke des Labyrinthes, wenn wir
es begehen. Statt Zeit zu gewinnen, sie zu vertreiben oder totzuschlagen,
will die Zeit gelebt und gefüllt werden, dadurch kann etwas in
uns reifen. Die Renaissance des Labyrinthes heute ist ein Zeichen
für einen begonnenen, nötigen Wandel in der Tiefendimension
unseres Bewusstseins. Ein bewegliches Denken, das statt auf Positionen
zu verharren, stets zum Perspektivewechsel fähig ist, ein Denken
das Zusammenhänge erfasst, das isolierte Fakten zu einem lebendigen
Ganzen fügt und man kann sagen, ein visionäres, prophetisches
Bewusstsein, das Zukunft entwirft, eine Zukunft, für die Mühe
sich lohnt, das sind Wege, zu denen das Labyrinth auffordert, dass
es auch in der Kunst, speziell in den aktuellen Bildern von L. Rogez
zu uns spricht, zeugt davon, dass die Künstlerin ihr Ohr am Puls
der Zeit hat.
Einige Bilder aus ihrem aktuellen Werk möchte ich mit Ihnen gemeinsam
anschauen.
> Labyrinthos 3 <
- Einstieg von oben, man steigt hinunter in die Tiefe.
- Über das Bild hinausreichend :
- Jeder muss den Weg selber gehen.
- Dieser Individuationsprozess geht notgedrungen durch Krisen,
Zweifel und wiederholtes Sterben
- Damit Neues entstehen kann
- Aschenbahnen und Lichtbahnen liegen nebeneinander
- Nacht-Todes-Seite gegen den Sonnenlauf
- Tag-Lebens-Seite mit dem Sonnenlauf
Gesetzmäßigkeit des Weges in sich rhythmisiert
Nach außen - nach innen - nach außen - nach innen
Kretisches Labyrinth auf Münzen
- Theseus, der den Minotaurus bezwingt : das Tier in der eigenen
Seele verwandeln
- hinuntersteigen in die Selbsterkenntnis ( Liebe = Faden - "
wähle Aphrodite, die Göttin der Liebe, zu deiner Führerin"
> Labyrinthos 4 <
- Stoff selber als Farbe - reines Pigment - leuchtendes, warmes
Blau - mütterliches Element
- 1. Labyrinth = Uterus - Geburtsmotiv - Neugeburt nach dem Tiefgang
- dargestellt ist der Weg durch das Labyrinth = der Faden der
Ariadne
- embryonale Hülle - weiblich-seelische Seite - schützend,
wärmend, empfangend
- Motiv der Schale
- Bild der Tänzerin
- Quadratur des Kreises - Kreuz und Kreis = Erde und Himmel vermählen
- Mensch und Gott / Männliches und Weibliches sich vermählen
- Ariadne - Aphrodite ( siehe Orakelspruch an Theseus )
> Labyrinthus 1 <
- Kontinuität des Bewusstseins in der Menscheitsgeschichte
- Vorchristliche Labyrinthe mit dem nachchristlichen verbunden
, auch da eine Brücke zwischen den Welten.
- Gewachsenes Kreuz, über ganzes Labyrinth - Kreuz mit der
aufgerichteten, alle Weltendimensionen umfassenden Menschengestalt.
- Kreuz als Heilzeichen, als Integration aller Dimensionen
- Durchdringung der Kräfte, daraus neue Mitte erblühend.
- Labyrinth von Chartres:
- Pilgerweg
- Weg durch die Architektur: Aufstieg - Altar spiegelnd - Läuterung
- Rosenfenster - Wenden am Kreuz, der Lebensweg wird zum Schicksalsweg
: die Erfahrungen, Begegnungen auf dem Weg sind es, die zur Reifung
und zur Blume der Mitte führen.
- Der Weg wird heilig
- Vieles über die Zahlensymbolik : 4 x 7 = 28 Umkehrungen
11 Umläufe + 1
6
> Erde - Asche - Gold < Triptychon
- reine Stoffe
- wiederkehrendes Kreuz durchzieht, umspannt / Weltenachse
- Schale im Kreuzungspunkt
- Labyrinth führt zum Ich : jetzt wird es zur Schale("Muot-Dienemuot")
Erde / Sand : Wärme des Mütterlichen
Asche : Fließspuren - Form auflösend - Tränengefäß
Gold : Goldglanz - Asche grundiert
Entstehung der Bilder : im Unterschied zur sonstigen Arbeitsweise
im voraus konzipiert - 10.09. 2001 + 11.09 am Morgen : Erde- Bild
- 11.09 Nachmittag nur Aschen / erst am Abend erfuhr sie von den apokalyptischen
Ereignissen. Die Künstlerin hatte intuitiv etwas erfasst, das
Erschreckende für sie war, dass sie die Bilder in der Reihenfolge
geplant hatte.
> HOMO VIATOR <
- auch ein Triptychon : Mittelbild und Doppelflügel
- reduzierte Form- und Farbelemente auf schwarzem Untergrund
- in 5 Stationen
- Labyrinth als durchgehendes Motiv wie Gestirn ab und aufsteigend
- Lebenselement / Vertikalität : 7 Fach rhythmisiert
- Labyrinth : goldene Sphäre leuchtend vom Schwarzgrund
sich abhebend
- unvermittelt, dichtestes und undurchdringliches fast materielles
Schwarz / leuchtendes Gold-Licht als Wärme + Licht
- ganz außen das T / Helm / Schale -umgekehrter Helm (
männlicher + weiblicher Pol)
- schwarzes Tau : Kreuz der Erdpunkte, auseinandergelegt in 2+4
- 3 Verticale - Horizontale Exaltation - ampleur
- Raumverschiebung des Labyrinthes . man schaut auf das Labyrinth
über sich im 1. Bildteil, unter sich im 2.+ 3. Bildteil,
vor sich im 3. + 4.Bildteil - Weg zur Mitte
- Bildteil 1: kosmische, paradiesische Stufe Labyrinth schwebt
wie Geist Gottes über den Wassern, empfangende Erde - Lebensbaum.
Gleichgewichts-Urzustand.
- Bildteil 2: gewaltiger Schritt, Vertikalisierung. Helm : Kampf,
Eisen gründet die materielle Kultur aber hier golden- geistiger
Kampf, geistiger Herrscher auf seinem Lebensweg ( Rolandslied
- blühende Lanzen + Epheser Brief 6,10)
Was ist geschehen zwischen Bildteil 1 und Bildteil 2 und ist ungemalt?
Im Durchwandern des Triptychons, der Einzelbilder und ihrer Intervalle
der Verwandlung nachlauschend, durch Verlangsamung, der Vielschichtigkeit
behutsam aber ausdauernd nachgehen. Das Bild ernst nehmen, nicht die
Bedeutung außerhalb suchen ( kann jeder nur allein, aber kann
es auch.)
Dadurch entsteht im Betrachter ein Neues. Er geht selbst den dargestellten
Weg, schaut nicht nur von außen, sondern schreitet auf ihm...
auf dem Weg zu seiner Mitte.
" Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht". R.M. Rilke
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Pressespiegel: >HOMO VIATOR<
Lebensbahnen auf Leinwand
Lugwigsburger Kreiszeitung - 7. Februar 2002- Auszug aus dem Bericht
von Rainer Enke
Gerlingen - Gleich an zwei Orten werden in Gerlingen die mythischen
und mystischen Bilder voller Symbolik der Malerin Laurence Rogez gezeigt:
im Rathaus und in der Lukaskirche.
> HOMO VIATOR <, so der Titel der Ausstellung, ist das
Ergebnis der intensiven Beschäftigung von Laurence Rogez mit
dem Motiv des Labyrinths, dem Symbol des Weges und des Lebensweges
der Menschen.
Ihre meist großformatigen, mit dem Kontrast von erdenen und
leuchtenden Farben spielenden, aussagekräftigen Bilder vermitteln
einen ruhigen, tiefsinnigen und hintergründigen Eindruck. Sie
sind großteils geprägt von tief religiösem Christentum
und dessen Motiven. "Man schaut nicht nur hin, man wird auf den
Weg genommen."
Schon als Gymnasiastin führte sie ihr Schulweg täglich am
Straßburger Münster vorbei. Die Bearbeitung und Verwandlung
toter Materie in Architektur hinterließ bleibende Eindrücke
in ihr.
Das gotische Labyrinth in der Kathedrale von Chartres, das
sie immer wieder besucht, brachte ihr das Thema näher: ein abgegrenzter
Raum, ein Weg, ein Ziel, Synonym für die Lebenswege des Menschen.
Sie fasziniert das rhythmische Sich-Annähern und- Entfernen zu
und von der Mitte, ohne dass das Labyrinth zum Irrweg wird.
Laurence Rogez stellt alle Ihre Farben selbst her, fügt Selbstgesammeltes
mit ein, arbeitet mit Nussschalenbeize, Pigmenten, Blattgold, Kupfer,
Erde, Asche oder Lapislazuli. Kreuz- und Kreisformen, Rundungen, Windungen,
Lichtbahnen, Kelche bestimmen ihre Bilder. Fließspuren durch
Drehen der Leinwand sind gewollt. So bei dem Dreiteiligen Zyklus
> Erde, Asche, Gold <. Das Bild "Asche" begann
sie am 11. September. Sie erfuhr erst am Abend von den Anschlägen,
ließ das Bild acht Tage ruhen, Farben flossen wie dunkle Tränen
in einem Kelch. Danach begann sie "Gold", wo der Kelch in
strahlendem Licht erscheint.
In anderen Bildern weisen Lichtbahnen durch helle und dunklere Bahnen
des Labyrinths. Laurence Rogez will die Zeit im Labyrinth als gelebt
und gefühlt verstanden wissen. In > Labyrinthos 3 <
wird der Blick des Betrachters von dem reinen Blau des Pigments aufgenommen,
in eine runde Formensprache, einen mütterlichen Bereich gelenkt:
eine embryonale Begegnung mit "Mutter Erde". Kein Zweifel,
die metaphorischen Bilder mit ihren warmen Farbtönen laden zum
stillen Meditieren ein. |
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